zen
oder
die kunst des rasenmähens

rasenmähen ist zen


wie in nippon dereinst
schüler unter dem
wachen auge
ihres meisters laub
im steingarten zu
energie
häufelchen zusammenschoben
die herbstgelben
gingkoblätter
auf riffeligen
kieselsteinen
zu nassmodrigen
augenblicken
arrangierten
und die kanten
und brüche
wie zufällig zu einem
linien und schatten
spiel
erhoben
wo
feldsteine schwer
sich aus dem
grauen splitt
wie urzeitliche
fabelwesen
in pinientragende
uferfelsen
und nebel
umwindete
schluchtensäumer
verwandeln
verändern
umdeuten
so als
sei die
welt
da draußen
hinter dem
ereignishorizont
der gartenmauer
nur ein
abbild
des kunstvoll
zur scheinbaren
zufälligkeit
gewordenen
fleckens
gekurvt
der
sand
wasser
wie
geglättete
alpen
den gedanken
frei bekommen
nur das tun zum
hauptziel haben
wie einen bogen
zu spannen und
das ziel......
ähnlich
dem rasenmähen
ähnlich dem
steingartenlaub
zusammenrechner
der nur tun soll
und doch an die
kleine denkt
mit ihrem kecken
lächeln
frech und
höhnisch
ähnlich dem
schüler nun
schweifen die
gedanken
nein
nicht zu beginn
nein
erst muss der
tank gefüllt
die zündkerze
herausgedreht
gereinigt
hineingedreht
werden
den hebel stell
von
schildkröte
auf hase
hurtig
an der leine
gezogen
blaugraue
wolken künden von den
erfolgreichen explosionen
im inneren des
wunderdings
anfangs
knatternd
und
dann
mit lust losgelassen
den sicherungshebel
lass ihn los
anfangs nur
die konzentration
die randstreifen
machen das mähen
mühsam
das umrunden
unzähliger nutz
hölzer
und unnützer
schattenmooser
und dann
kommt
der moment
die flächen sind bereit
bahn für bahn
durch das gefild gezogen
mechanisch
wie beim pflügen
und dann
diesmal wie jedes Mal
tanzen die gedanken
zum knattern des
zweitakters
die kunst
die kunst
die kunst
und ich
von meinen nächsten projekten
nur erdachten
geplanten
bildern
serien
ansätzen
titeln
den wichtigen und
unwichtigen
details bei der arbeit
an diesem scheinbar absolut
belanglosem unternehmen
zu malen
dem untergrund
einen verstand zu geben
so belanglos für die umwelt
für die scheinbar so besorgten
kunsthantierer
diese kunstmusiker die am meisten an der musik
die netten bildchen
der cd hülle schätzen
wie habe ich diese
schwarzuniformierten
sartrerollkragigen kultur ss ler satt
satt
das ewig abgeschriebene kopierte abgepauste
und doch nie verstandene gedankenmaterial
vorausgegangener diplomarbeitenschreiber
so tradieren sich systemfehler
immanent immer wieder
looping
killerloop
und das
in diesem umraum
ein land
eine partei
eine zeitung
ein selbsternanntes medienmonopol
in dem wir sie alle
wieder treffen eine große
familie beim brunch
und dabei
entstehen rasiermesserscharfe
rezensionen punktgenau
man muss ja schauen
wer
wen
sponsert
bitte anschnallen
die seilschaft bricht auf
ein gastspiel in....
nicht in diesem zu groß geratenem dorf
in der panonischen tief
ebene – uninteressant
provinz ist im kopf
provinz ist in den kulturabteilungen
der massenmedien
und der medien
die nur in massen
auf das volk losgelassen
verpackt in fünf seiten sport
fallen pensionsaltersanhebungen
massenarbeitslosigkeit
und steuervorteile für unternehmer
und angehende bankrotteure
nicht so auf
und dabei ist doch alles so
transparent
ja transparent ist gut
transparent sind
nur
die blusen
der models
auf den modeschauenbildern
auf der letzten seite
na ja
.... ein stein schlägt eine weitere kerbe in das
rotierende messer
.... ein stein fliegt in den akkurat geharkten steingarten
das ist sie wieder
bringt unordnung in meine kiesmeere
aber
sie
lächelt
so keck

     
dieser text entstand im oktober 2004 und diente als schriftliches eqivalent zu einer reihe von graphiken, die im bilderbuch „erdung“ erschienen.
sollten sie interesse an diesem bilderbuch haben, bestellen sie es via e-mail .

     
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
:::::zu den texten
::::ins atelier