locus iste
text zur ausstellung in steyr
dezember 2002

wasser wie öl

 

ich darf mich an dieser stelle herzlich für die einladung zu dieser ausstellung bedanken.
als ein tiroler ist mir wie meinen mitlandsmännern und-frauen die österreichische topographie nicht so vertraut – aus irgendeinem grund sind tiroler an den fernsten küsten und gestaden anzutreffen- manche exoten verschlägt es vielleicht nach wien-ins exil sozusagen–doch die innerösterreichischen gebiete gelten uns gebirglern als weiße landkarte.
umso erstaunlicher ist die tatsache, dass beinahe jeder, mit dem ich über die ausstellung sprach, mir beteuerte – ja nach steyr – da wollte er schon immer mal hin.

die vorbereitungen zu den bildern – locus iste und wasser wie öl begann ich schon im juni – danach wanderten sie zum trocknen in den abstellraum.in der zwischenzeit passierte das furchtbare unwetter im august -beim weiterarbeiten wurden das flüssigfeste bitumen, die tonkrüge zu einem schrecklichen tatsachenbild – die wasser, die nicht mehr zu stoppen waren – die schlammmassen, die alles verschütteten und auffraßen – bilder, die mir zum zeichen wurden – es ist genug.
als im august die wolken keinen stopsel mehr fanden wurde klar was passiert, wenn der fluss ohne ufer über die betroffenen kommt.

„gott ist wie ein fluss – aber was ist ein fluss ohne ufer“ – dieses zitat eines jesuitenprofessors(von wem wohl sonst....?) ist mir in einem radiointerview aufgefallen und es hat mich nicht mehr losgelassen – es stand am anfang meiner überlegungen zur ausstellung „locus iste“.

der fluss und sein ufer – das gefäß, die hülle und sein inhalt, die fassung als bild –als füllung und materialisation
mystischen inhalts wählte ich bitumen – urprodukt des zweistromlandes – mit desssen hilfe die zikkurats babylons erst entstehen konnten – gleichzeitig gefährlich und nützlich – in seiner natürlichen schwärze tief und geheimnisvoll
diese arbeiten sind nun zum ausdruck meiner betroffenheit geraten – doch auch zu einem ausdruck, dass nach allen schrecknissen und dem chaos jeder fluss seinen lauf wieder findet, das ufer wieder fest ihn umgibt.


 
 
 
       
 
 
       
 
 
       
 
 
   
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