dieser text entstand anlässlich der eröffnung des schauraumes milk&butter - dezember 2004
Kunst in Schwaz – oder Der Kindermord zu Bethlehem


Für viele Anwesende, für viele Schwazer ist das heiliger Boden.
In den wilden Zeiten von Elvis und Vesparollern (in Schwaz musste es auch eine Puch oder KTM tun) war das cool designte Molkereigschäftl ein Fixpunkt zwischen Volksschule und elterlicher Wohnung.
Unzählige Geschichten von bittersüßer Schokolade, Käsesemmeln, Trinkhalmen, Milchbechern und Aufreißversuchen, vornehmlich an den Auslagetischen, könnten diese Wände erzählen.
So sehr die Molkerei ein Fixpunkt war für die Schulkameraden auf ihren ausgedehnten Heimwegen, hat mich das nicht betroffen. Ich wohnte im Ried und musste den oberen Heimweg nehmen – beim Wilflingbäcker vorbei.
Der Wilflingbeck ist zwar auch vielen Schwazern geläufig, aber die Molkerei ist sakrale Vergangenheit – die bethlehemische Geburtskirche sozusagen. Überhaupt ist der Vergleich mit Bethlehem recht zutreffend.
Schwaz ist Bethlehem...... nein!
Schwaz ist Siena – das trifft es schon eher – denn wer den weihnachtlich aufgerüsteten Pfundplatz – den Campo di Glühwein e Zillertalkrapfen – mit den Campo in Siena vergleicht, wird nur marginale Unterschiede feststellen können – in Schwaz wie in Siena quälen sich die Damen mit Stöckelschuhen über die Plätze und verfluchen sämtliche beteiligte Architekten – lebende wie verstorbene – und wenn im August ein Hund um den Pfundplatz saust ist das das Schwazer Palio.
Schwaz ist Bethlehem.....nein!
Schwaz ist Siena – Schwaz ist besser , denn vergleiche man den windigen Acker in Siena mit dem Campo sportivo nuovo von Schwaz West – Paulinum-Town muss man neidlos zugestehen.... Schwaz ist besser. Siena hat auch keinen Bach mittendurch und keinen Lift, der gleich paradiesische Vergnügen verkündet. – Mit Paradies schließt sich der Gedanke –
Schwaz ist Bethlehem.......ja!
Weise aus dem Morgenland haben sich aufgemacht, die Verkündung nach Bethlehem zu bringen.....Wien liegt weit genug im Orient, obwohl es nicht mit Babylon mithalten kann, die Weisen wurden von Herodes willkommen geheißen, dieser regionale Politiker begrüßte und feierte überschwänglich die Ankunft der großen weiten Welt, den Weisen wurde Platz und Gehör verschafft – endlich Überregionales, Schluss mit dem Bodenständigen Regionalen – ein Fenster auf – eine gräfliche Grafenhaus-Herberge – Herodes Residenz – doch den Ansässigen, Regionalen, Bodenständigen ging es von da an schlecht – angeklöpfelt musste werden, wer da keinen Mohren oder Russen im Gefolge hat, dem wird kein Zimmer geboten – ob hochschwanger oder nicht – apropos schwanger – wir alle wissen, dass als Schlussakt, als Endlösung gegen das Regionale sozusagen der Bethleheminische Kindermord geschah – was heißt geschah, er wurde von regionalen Politikern verordnet.
Die Weisen haben ihr Gesinde und ihre Kamele übrigens oben beim ehemaligen Wilflingbeck untergestellt – der hatte früher ja auch Pferde.
Nachdem die Überregionalen ihre Myrrhe - oh wie wertvoll, ihren Weihrauch – oh wie gefragt, ihr Gold – oh wie anerkannt an das Kind gebracht hatten, waren sie wieder abgezogen, zurück blieb eine Stadt ohne Kinder.
Schwaz ist Bethlehem – aber die ehemalige Molkerei möchte die Möglichkeit bieten, einen Blick auf das Kunstschaffen zu werfen – wir bieten nicht Gold – wir bieten nicht Weihrauch, wir bieten nicht Myrrhe – wir zeigen Bilder, Graphiken, Skulpturen, wir möchten Plattform für Ideen, Gedanken und Gespräche sein.
In den Wochen vor Weihnachten wird Herbert Vozu ab Donnerstag der Erzengel vor Ort sein, wir hoffen Ihr Interesse für Kunst wecken zu können.

Martin Schwarz-Lahnbach Dezember 04


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