auch dieses jahr fand wieder eine gussaktion im silberwald statt.
Am 21. dezember 2005 um 17. 00 uhr wurde der ofen angeheizt- rauch kräuselt in den winterhimmel - und wie der andromedanebel langsam über den waldhorizont kriecht, verwandelt sich die bronze in das glühende material, welches goldrot darauf wartet, eine neue form zu erhalten, neues leben - wie der ewige kreislauf der jahreszeiten.
anstelle von bildern muss diesmal ein pdf-file der amtlichen bescheinigung zur durchführung eines gusses im walde für das erlebnis stehen.
ich möchte darüber jetzt keine polemische diskussion lostreten - etwa über die grenzen von sicherheitsbedürfnis und wahnsinn, oder die beängstigende zunahme der wichtigkeit diverser blaulichtorganisationen oder gar die bedeutung orthographischer, grammatikalischer und stilistischer sicherheit und die richtige menge an löschpulver...
als fazit drängt sich mir der schluss auf, dass die stadtgemeinde aktionen dieser art nicht will.

wintersonnenwende 2005
ein kalter, sternenklarer abend.
so früh wie nur an diesem einen tag im jahr wird die dunkelheit immer
undurchdringlicher – bis nur der feuerzuckende kreis in der arena des
silberwaldes dem auge halt gibt – sich menschen, gegenstände aus
dem rauchigen rund herausschälen – und der himmel mit seinen wirklich
funkelnden sternen sein tiefes nachtblau dem hochreckenden fichten- und tannenschwarzgrün
entgegenhält.
es ist die längste nacht.
die torkelnde planetenachse hat uns nordlandbewohner wieder in die tiefste
dunkelkälte gestoßen – aber an diesem 21. dezember beginnt
endlich die gegenbewegung – hin, näher zur sonne, zur wärme.
ich hasse die kälte.
es war mir also auch dieses jahr eine große freude am gussereignis im
silberwald teilzunehmen – es dem winter zu zeigen – symbolisch
für den alljährlichen kreislauf habe ich auch dieses jahr zwei figuren
geschaffen, die meine sehnsucht nach der wärme und den langen tagen mit
ihren weingemütlichen abenden ausdrücken sollen.
nach dem guss des glühenden metalls und einer kurzen abkühlung dampften
die skulpturen im schnee des waldes und durch ihre bronzene hitze schmolzen
sie sich nach unten, durch den schnee, durch das eis bis auf den boden des
silberwaldes.
ein beruhigendes zeichen.
