...da weinte bitterlich des tirolers land
 
 
 
 

 

"du sollst dir kein bild von dem propheten machen...." so oder sinngemäß leitet der islam seine ikonoklastik aus dem koran ab. die christliche bildkunst hatte über all die jahrhunderte einen freieren zugang zum bild gottes und seiner heiligen. diese freiheit bot den künstlern durch die jahrhunderte die möglichkeit, das abbild des schöpfers von generation zu generation neu zu interpretieren, neue gottesbilder zu entwickeln und immer wieder zu erneuern.

verfolge ich die letzten entwicklungen im raum tirol, glaube ich langsam, dass der islam mit seiner gottesbildauffassung nicht schlecht beraten war.
das tut weh, was da im heiligen land tirol zum 200-jahr-jubiläumswahn passiert.
nicht genug, dass hierorts noch immer das sinnlose schlachtfest zum nukleus der heldenverehrung stilisiert wird-
nicht genug, dass in tirol in galliermanier die einführung eines bürgerlichen rechts verhindert wurde-
und nicht genug damit, dass mit verbissener vehemenz die errungenschaften der aufklärung, demokratischer grundprinzipien, verfassungsmäßige gleichheit und freiheit am bergisel verhindert wurden....
das ist ja alles vergangen, da hat es in tirol schon einen richtigen weltkrieg gebraucht, dass das in die köpfe der großgrund-, kleinhäusler- und agrarbesitzer hineingebombt werden konnte......
das ist ja alles vergangen.
und jetzt fangen wir wieder genau da an, wo sich schon der napoleon die zähne ausgebissen hat, was glauben denn die franzosen - kommen daher und wollen uns freiheit, gleichheit, brüderlichkeit aufdrücken, wollen uns die trennung von kirche und hof, von kapelle und gartl sozusagen einreden - das mag in resteuropa funktionieren - ja, da kann man schon zur mistgabel greifen.
da hat sich in 200 jahren wahrlich nicht viel verändert, nur wird der kampf des guten volksgeschmacks nicht mehr auf den hängen des bergisel ausgefochten, sondern in den städten, in den dörfern.
das abbild gottes zu verändern, zu formen, zu beleben, immer aufs neue zu interpretieren und weiterzuführen - das heißt auch das abbild des menschen weiterzutragen, das bild des menschen untersuchen, sezieren, zerlegen und wieder neu schaffen - das ist wahre kunsttradition -wahrscheinlich außerhalb tirols. wir in den gletscherrückzugsmoränengebieten halten es da anders. wenn unseren leuten kunst gefällt, muss sie gefallen. wir tiroler sind die ikonenmaler des 21. jahrhunderts - da wird nichts verändert, pathos und feiges ducken sind uns angesichts der gebirgsmassen sozusagen genetisch mitgegeben. auswüchse werden solange ignoriert, bis sie in einem großen feuerschein zum gaudium vieler in die kohlendioxidbelastete alpenluft geblasen werden. die tiroler wissen, was ihnen gefällt. und ganz besonders, wenn es um ein jubiläum geht. die argumentation ist schlüssig - die traditionsvereine tragen ja auch keine boden-luft-raketen bei den prozessionen durch wald und flur und turnschuhe zur montur geht schon gar nicht - da werden doch wohl kunst, skulptur und mahnmal auch der 200-jährigen tradition angepasst werden können!
natürlich....aber vielleicht hat dann der mohammed mit seinem bilderverbot doch recht gehabt!

 
 
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