ausstellung in stumm 16.juli 2006 - 16. august 2006
mittwochs 18 - 20.00 uhr
ein wald nahe athen oder der versuch, den riss in einer wand darzustellen, die ihrerseits nur in der vorstellung existiert
 
 
       
 
   
   
   
 
 
 
                   
                               
 
 
     
 
                 
 
     
     
     
                                         
1. Ein Wald nahe Athen
Mit dieser Szenenbeschreibung beginnt Shakespeare seinen Sommernachtstraum, und dies wollte auch ich an den Beginn der Ausstellung stellen. Wie im Prolog kurz angedeutet war der Wald stofflich schon nicht mehr da in der Mitte des 17. Jahrhunderts, und doch stellte er über all die Jahrhunderte den Hintergrund für Geheimnisvolles, Zauberhaftes. Die Märchen spielen gern in dichten Wäldern, Sagenhelden töten Drachen in dieser Umgebung, Hexen ( vom germanischen haxa- Hecke) finden dort ihre Kräuter und Opfer, Odysseus pflückt das Zauberkraut Moly in einem Wald und kann dadurch dem Zauber der Kirke wiederstehen – vorerst. In der Natur, der unbestellten, treffen sich seltsame Wesen, geschehen Wunder. Das Haus der Jungfrau Maria wurde auf wundersame Weise in einem Wald in Italien von Engeln abgesetzt, wundertätige Quellen entspringen in Wäldern, Grotten offenbaren Marienerscheinungen. Der Wald vor Athen ist nicht mehr da, man muss ihn sich vorstellen um in die Wunderwelt Shakespeares einzutauchen, die Feenwelt ist vergangen.
Mein Wald soll auf dem Weg durch die Ausstellung begleiten, vorbei an den Skulpturen zum Hauptort.
Die einzelnen Kartons sind gelackt und mit variierenden Serigraphien bedruckt.

2. Skulpturen
Die ausgestellten Skulpturen entstanden im letzten und im heurigen Jahr. Sie sind nach der Methode des verlorenen Gusses in Bronze gefertigt. Ausgangsmaterial war Styropor. Ganz bewusst wählte ich dieses Material. Ich kann damit die uralte Technik des Bronzegusses mit einem modernen Werkstoff verbinden. Das wertlose Ausgangsmaterial, geformt mit Messer und heißer Drahtschlinge, collagiert aus verschiedensten Bruchstücken, erfährt durch den Abguss in Bronze Erhabenheit, Einzigartigkeit, Tiefe.

3. Mura dei Mysteri
Mit diesem Zyklus versuche, ich meine Seherlebnisse des Pompejibesuchs zu bearbeiten. Szenen und Figuren sind teilweise direkt übernommen, in einen neuen Kontext gesetzt. Der Weg durch das Leben, Initiation und alltäglicher Ritus bilden das Grundgerüst, Ballerinaschuhe und Bilder ungeborener Kinder veranschaulichen Wünsche und Ängste. Und der Hund begleitet auch hier den Betrachter.
Teile der Komposition treten aus der Zweidimensionalität. Das ausgestopfte Geißlein, die Opferschale, die Maske der Gaukler, der mit zartem Schleier verhüllte Omphalos. Der vierseitige Raum in der Villa unter dem Vesuv faltet sich auf zu einer durchlaufenden Wand. Das zentrierende Antikenweltbild gerät zur linearen Erzählung – sein Anfang ist vom Endstandpunkt aus nicht mehr zu erkennen.

4. Das Theater
Noch einmal das Waldmotiv. Geballt, konzentriert in gestaffelten Tiefen. Der Blick wird zu einer Skulptur gezogen, der wohl menschliche Maße zugrunde liegen, zugleich baut sie sich aus geometrischen Körpern auf, Kegel, Zylinder, Viertelkugel. Die marmorerscheinende Oberfläche verleiht ihr die Distanz einer antiken Skulptur, doch diese Figur ist lediglich aus gipsernen Hohlformen der Keramikindustrie zusammengebaut. Und trotzdem behauptet sie ihren Raum in der Mitte der Guckkastenbühne – palladioesque Hauptfigur auf einer Renaissancebühne a la Palladio.

5. Video: Der Versuch, den Riss in einer Wand darzustellen, die ihrerseits nur in der Vorstellung existiert.
Mit der digitalen Bildtechnik der Jetztzeit endet der Pfad durch den Wald. Doch verlangt diese Darstellungsform, ohne jede Öl-, Leinwand-, Pinsel- und Firnisromantik, nach der gleichen Fähigkeit des Betrachters, wie vor einem Bild, einer Skulptur – die Fähigkeit, sich einen Wald vorzustellen, wo heute heiße Felsen sind, sich eine Wand vorzustellen, die zwei shakespearesche Liebende trennt. In diesem Video legen Arbeiter ein vor langer Zeit zugemauertes Fenster frei – der Betrachter hat mit dem Künstler die Aufgabe, diesen Prozess zu vollenden, sich vielleicht schon die neue Fassung, die neue Bleiverglasung vorzustellen.


 
             
                               
 
       
       
                                         
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