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1. Ein Wald nahe Athen
Mit dieser Szenenbeschreibung beginnt Shakespeare seinen Sommernachtstraum,
und dies wollte auch ich an den Beginn der Ausstellung stellen.
Wie im Prolog kurz angedeutet war der Wald stofflich schon nicht
mehr
da in der Mitte des 17. Jahrhunderts, und doch stellte er über
all die Jahrhunderte den Hintergrund für Geheimnisvolles, Zauberhaftes.
Die Märchen spielen gern in dichten Wäldern, Sagenhelden
töten Drachen in dieser Umgebung, Hexen ( vom germanischen haxa-
Hecke) finden dort ihre Kräuter und Opfer, Odysseus pflückt
das Zauberkraut Moly in einem Wald und kann dadurch dem Zauber der
Kirke wiederstehen – vorerst. In der Natur, der unbestellten,
treffen sich seltsame Wesen, geschehen Wunder. Das Haus der Jungfrau
Maria wurde auf wundersame Weise in einem Wald in Italien von Engeln
abgesetzt, wundertätige Quellen entspringen in Wäldern,
Grotten offenbaren Marienerscheinungen. Der Wald vor Athen ist
nicht mehr da, man muss ihn sich vorstellen um in die Wunderwelt
Shakespeares
einzutauchen, die Feenwelt ist vergangen.
Mein Wald soll auf dem Weg durch die Ausstellung begleiten, vorbei
an den Skulpturen zum Hauptort.
Die einzelnen Kartons sind gelackt und mit variierenden Serigraphien
bedruckt.
2. Skulpturen
Die ausgestellten Skulpturen entstanden im letzten und im heurigen
Jahr. Sie sind nach der Methode des verlorenen Gusses in Bronze
gefertigt. Ausgangsmaterial war Styropor. Ganz bewusst wählte
ich dieses Material. Ich kann damit die uralte Technik des Bronzegusses
mit einem modernen Werkstoff verbinden. Das wertlose Ausgangsmaterial,
geformt mit Messer und heißer Drahtschlinge, collagiert aus
verschiedensten Bruchstücken, erfährt durch den Abguss
in Bronze Erhabenheit, Einzigartigkeit, Tiefe.
3. Mura dei Mysteri
Mit diesem Zyklus versuche, ich meine Seherlebnisse des Pompejibesuchs
zu bearbeiten. Szenen und Figuren sind teilweise direkt übernommen,
in einen neuen Kontext gesetzt. Der Weg durch das Leben, Initiation
und alltäglicher Ritus bilden das Grundgerüst, Ballerinaschuhe
und Bilder ungeborener Kinder veranschaulichen Wünsche und Ängste.
Und der Hund begleitet auch hier den Betrachter.
Teile der Komposition treten aus der Zweidimensionalität. Das
ausgestopfte Geißlein, die Opferschale, die Maske der Gaukler,
der mit zartem Schleier verhüllte Omphalos. Der vierseitige
Raum in der Villa unter dem Vesuv faltet sich auf zu einer durchlaufenden
Wand. Das zentrierende Antikenweltbild gerät zur linearen Erzählung – sein
Anfang ist vom Endstandpunkt aus nicht mehr zu erkennen.
4. Das Theater
Noch einmal das Waldmotiv. Geballt, konzentriert in gestaffelten
Tiefen. Der Blick wird zu einer Skulptur gezogen, der wohl
menschliche Maße zugrunde liegen, zugleich baut sie sich aus geometrischen
Körpern auf, Kegel, Zylinder, Viertelkugel. Die marmorerscheinende
Oberfläche verleiht ihr die Distanz einer antiken Skulptur,
doch diese Figur ist lediglich aus gipsernen Hohlformen der Keramikindustrie
zusammengebaut. Und trotzdem behauptet sie ihren Raum in der Mitte
der Guckkastenbühne – palladioesque Hauptfigur auf einer
Renaissancebühne a la Palladio.
5. Video: Der Versuch, den Riss in einer Wand darzustellen, die
ihrerseits nur in der Vorstellung existiert.
Mit der digitalen Bildtechnik der Jetztzeit endet der Pfad durch
den Wald. Doch verlangt diese Darstellungsform, ohne jede Öl-,
Leinwand-, Pinsel- und Firnisromantik, nach der gleichen Fähigkeit
des Betrachters, wie vor einem Bild, einer Skulptur – die Fähigkeit,
sich einen Wald vorzustellen, wo heute heiße Felsen sind, sich
eine Wand vorzustellen, die zwei shakespearesche Liebende trennt.
In diesem Video legen Arbeiter ein vor langer Zeit zugemauertes Fenster
frei – der Betrachter hat mit dem Künstler die Aufgabe,
diesen Prozess zu vollenden, sich vielleicht schon die neue Fassung,
die neue Bleiverglasung vorzustellen.
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